Posted: Tue Feb 07, 2006 7:30 pm Post subject: Materialvielfalt
Auf der Suche nach dem perfekten Material für unsere Selfdelve Spielzeuge staunte ich nicht schlecht über die vielen unterschiedlichen Ausführungen.
Zum Einsatz kommen hauptsächlich Kunststoffe, Latex, Metall, Stein, Glas und Holz. Die verschiedenen Materialeigenschaften führen natürlich zu ganz unterschiedlichen haptischen Erlebnissen und für jeden "Geschmack" ist somit etwas dabei.
Aber wie geeignet ist jedes einzelne Material, wenn es als Spielzeug verwendet wird? Dann spielt nicht nur das verursachte Gefühl eine Rolle. Ich finde, dass man auch hygienische Ansprüche und die mögliche Wechselwirkung der Stoffe mit unserem Körper betrachten muss. Die Kombination von Wärme und Feuchtigkeit im Körperinneren macht es möglich, dass teilweise giftige Stoffe aus dem Spielzeug in den Körper gelangen.
Die wenigsten Hersteller machen genaue Angaben zu den von ihnen verwendeten Kunststoffen. Genaugenommen tun es nur diejenigen, die zu Recht auf die Unbedenklichkeit und damit Qualität ihrer Spielzeuge verweisen können. Leider gibt es noch keinen umfassenden Verbraucherschutz wie er in anderen Lebensbereichen längst angestrengt wird. Gerade Importspielzeug sollte man mit Vorsicht geniessen (im wahrsten Sinne des Wortes).
additionsvernetzendes Silikon
Spielzeug aus Silikon ist das beste, was es gibt. Sie fühlen sich hautähnlich an, sind weich und nehmen schnell die Körpertemperatur an. Ihre Oberfläche ist ohne Poren und daher leicht und gründlich zu reinigen. Da dieses Silikon keinerlei Nebenprodukte enthält, die ausdünsten könnten, sind sie immer geruchlos. Gegenstände aus dem teuren Edelsilikon (nicht mit dem kondensationsvernetzenden Silikon, z.B. aus dem Baumarkt verwechseln) sind toxisch völlig unbedenklich für den menschlichen Organismus. In Kosmetik und Medizin wird ebenfalls bevorzugt mit diesem Material gearbeitet. Es trotzt den meisten Umwelteinflüssen und ist weder bei Herstellung noch Entsorgung problematisch.
Achtung
Silikon verträgt sich nicht mit Gleitgel auf Silikonbasis oder Ölen. Benutzt daher immer ein Gleitmittel auf Wasserbasis.
Jelly =Weich-PVC
Diese Spielzeuge sind billig, farbenfroh, weich und biegsam und daher sehr beliebt. Der Begriff Jelly ist nicht eindeutig definiert, in aller Regel handelt es sich um PVC – Kunststoff, der mit gesundheitlich bedenklichen Zusatzstoffen vollgepumpt wird, um die Eigenschaften zu modifizieren. Man erkennt sie leicht an diesem penetranten Geruch.
PVC ist nicht nur umweltschädlich hinsichtlich Herstellung und Entsorgung, sondern enthält auch zahlreiche Schadstoffe, die gesundheitlich bedenklich sind. Seit Jahren in der Diskussion sind die Phthalate, die als Weichmacher verwendet werden. Einige Stoffe sind als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und können zu verminderter Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit vor allem bei Männern führen. Ab Herbst 2006 verbietet die EU die drei Phthalate DEHP, DBP und BBP in allen Kinderspielzeugen. Drei weitere Phthalate (DINP, DNOP, DIDP) werden in Spielzeug für Kinder unter drei Jahren verboten, wenn sie in den Mund genommen werden können.
Weitere Schadstoffe, die vor allem in Weich-PVC vorkommen, sind:
■ Dibutylzinn und andere zinnorganische Verbindungen, die das Hormonsystem und das Immunsystem schädigen
■ Nonylphenol, das auf den Hormonhaushalt wirkt
■ Lösemittel, die Kopfschmerzen, Müdigkeit, Augen- und Schleimhautreizungen auslösen können
■ Schwermetalle wie Blei, das giftig auf Nervensystem und Gehirn wirken kann bzw. Cadmium, das Knochen und Nervensystem schädigt.
Achtung
Von allen Werkstoffen, die ihr zur Auswahl habt, ist das die schlechteste Wahl. Was für die Kids nicht gut ist, hat auch einen negativen Einfluss auf unsere erwachsenen Körper. Ein Kondom über das Toy zu ziehen, bietet leider auch keinen Schutz. Die Moleküle wandern durch.
Gummi
Die gute Nachricht ist, dass sich Dildos aus Gummi während der Benutzung schön aufwärmen und dadurch weicher und biegsamer werden. Diese Eigenschaft freut z.B. die Motorradfahrer auf warmen Straßen. Im Übrigen glaube ich, dass Gummi besser für Reifen und Schuhsohlen geeignet ist, als als Werkstoff für Sexspielzeug. Er ist nun mal aber billig und leicht zu verarbeiten – die Preisknaller unter den Dildos sind meist aus Gummi. Ihr erkennt sie auch am Gewicht, denn Gummi ist ein vergleichsweise schwerer Kunststoff. Viele finden auch den typischen Gummigeruch unangenehm.
Achtung
Die wirklich schlechte Eigenschaft ist die Oberfläche. Sie ist voller winzigster Poren, in denen sich Schmutz, Körperflüssigkeiten etc. festklammern, die von Bakterien besiedelt werden. Mit normaler Reinigung kommt ihr da nicht weit. Am besten ihr zieht immer ein Kondom während des Spiels darüber. Es gibt auch Menschen mit Gummiallergie – für sie besteht noch ein Grund, diese Spielzeuge zu meiden.
Schaumstoff = PUR
Den meisten ist dieser Kunststoff als isolierender Bauschaum bekannt – er scheint aber auch als Dildobaumaterial Verwendung zu finden!
PUR ist die Abkürzung für Polyurethan. Je nach Verarbeitung der chemischen Grundstoffe können beliebig harte/spröde bis weiche/elastische Produkte hergestellt werden. Das eröffnet natürlich viele Möglichkeiten für die Spielzeughersteller. Eine chemische Reaktion schäumt das Material auf und es erstarrt in der Form – fertig ist ein Billigdildo.
Achtung
Das blanke ausreagierte Produkt ist eigentlich ungefährlich. Da aber jeder Hersteller etwas eigenes kreieren kann, weiss keiner nichts genaues. Um die Schaumeigenschaften zu beeinflussen, werden Zusätze beigemischt, die später wieder ausdünsten. Bekannt sind z.B. sogenannte zinnorganische Verbindungen, die das Hormonsystem und das Immunsystem schädigen.
Plexiglas = Acrylglas = PMMA
Acrylglas ist ein harter, starrer, durchsichtiger Kunststoff. Er enthält nix, worüber man sich Sorgen machen müsste, riecht nicht, flutscht ganz wunderbar und sieht Klasse aus. Die Reinigung ist völlig problemlos zu bewerkstelligen.
Achtung
Plexiglas zerkratzt leicht und wird bei Berührung mit manchen Lösungsmitteln trüb. Das hat aber keine Auswirkung auf ihre Spielzeugtauglichkeit, sondern nur auf die Optik.
Latex
Ist ein Synonym für Naturkautschuk, der aus Pflanzensaft gewonnen wird. Die Gummibäume wachsen in den Tropen. Latex lässt sich auch synthetisch herstellen, wobei sich Naturprodukt und Industrieprodukt so gut wie gar nicht unterscheiden. Es wird u.a. für Latexhandschuhe, Kondome, Kleidung und als Überzug für Dildos verwendet. Lasst euch von der Werbung nicht veralbern: einen komplett aus Latex bestehenden Dildo / Vibrator werdet ihr nicht finden – dafür ist das Material viel zu teuer. Es lässt sich nämlich nur in hauchdünnen Schichten verarbeiten. Einen massiven Latexkörper zu bauen, würde Wochen dauern. Als Oberfläche für Sexspielzeug ist es auf jeden Fall empfehlenswert, weil es sich weich und warm anfühlt, ungiftig und auch aus hygienischer Sicht 1a ist. Latex ist nicht das gleitfreudigste Material, dem kann man aber leicht mit Gleitmittel abhelfen.
Achtung
Einige Menschen leiden unter einer Latexallergie, sie sind die einzigen, die solche Spielzeuge und Kondome meiden müssen.
Latex wird von Öl zerstört, deshalb bitte immer nur Gleitmittel auf Wasserbasis benutzen.
Metall
Solche Dildos sind durch ihre schimmernde Schönheit ein Augenschmaus. Wärme und Kälte werden leicht übertragen und so eignen sie sich hervorragend für Temperaturspiele. Die Härte und Schwere des Materials muss man natürlich mögen. Sie verfügen über eine makellos glatte Oberfläche, die sich leicht reinigen und desinfizieren lässt. Nicht umsonst verwendet der Mediziner Stahlwerkzeuge. Diese Dildos sind unverwüstlich.
Achtung
Wenn der Hersteller Wert auf perfekte Verarbeitung legt (keine scharfen Kanten und keine Hohlräume), kann man mit diesen Dildos nichts falsch machen. Lediglich Nickelallergiker müssen sich vergewissern, dass der Stahl auch tatsächlich kein Nickel enthält. Eine diesbezügliche Kennzeichnung sollte sich auf der Verpackung finden.
Stein
Für sie gilt eigentlich das selbe wie für ihre Kollegen aus Metall. Glatt polierte Oberfläche, schwer und hart – bestens zu reinigen und nicht unterzukriegen.
Glas
Sind hart und leicht, dank der glatten Oberfläche rutschfreudig. Die Reinigung ist ein Kinderspiel. Mikroorganismen haben auch hier keine Chance. Es gibt keine chemischen Gesundheitsgefahren. Sie vertragen sich mit allen Arten Gleitmitteln.
Achtung
Die Spielzeuge müssen aus extra für diesen Zweck gehärtetem Glas hergestellt sein. Von Glasgegenständen aus dem Alltag ist unbedingt abzuraten, da man deren Zerbrechlichkeit und die damit verbundene Schnittwundengefahr nicht riskieren sollte.
Holz
Für die Freunde der Naturmaterialien gibt es auch Ausführungen aus Holz. Unbehandeltes Holz hat keinerlei gesundheitliches Gefahrenpotential. Holzgegenstände lassen sich aber auf Grund ihrer porösen Oberfläche nicht ganz so unproblematisch tiefenreinigen, und sind daher aus hygienischen Gründen nicht die erste Wahl.
Achtung
Sie müssen aus nicht splitterndem Holz gefertigt sein!
Auch wenn einige Stoffe hier als nicht ungefährlich beschrieben werden, soll sich deshalb keiner verrückt machen lassen. Aber wer viele Spielzeuge besitzt und benutzt, hat einfach häufiger Kontakt mit diesen Inhaltsstoffen und somit ein höheres Risiko – über das man einfach Bescheid wissen sollte. Vielleicht fällt die ein oder andere Kaufentscheidung mit diesem Wissen leichter.
noch Fragen? Her damit - So long, Nixe
Last edited by Nixe on Fri Jul 30, 2010 8:31 am; edited 2 times in total
Posted: Thu Aug 09, 2007 6:11 pm Post subject: noch mehr Lesefutter
Im April 2007 hat die ÖKO-Test Verlag GmbH eine Kompaktausgabe "Sexualität" veröffentlicht. Getestet wurden Toys, Potenzmittel, Kondome und Gleitmittel. Mich haben natürlich vor allem die Toys interessiert und auch hier wurden die verarbeiteten Kunsstoffe analysiert. Die Kurzform: nur die Silikon- und Holzspielzeuge sind mit "sehr gut" benotet worden.
In dem Heft sind noch jede Menge Info's zur "Liebe ein Leben lang" und kann auf der HP einzeln bestellt werden.
Na endlich bewegt sich eine Regierung in die richtige Richtung. Ich begrüße dies wirklich sehr. Allen anderen Hersteller, die ebenfalls verantwortungsbewusst produzieren geht es ganz sicher genauso. Zum Thema ist ja wirklich schon genug herausgefunden und gesagt worden. Es fehlen lediglich noch die Konsequenzen.
Nun will die Regierung in Kopenhagen die möglichen Auswirkungen von Chemikalien aus Sexspielsachen zum Gegenstand einer Dokumentation machen, mit der Dänemark bei der EU-Kommission neue Grenzwerte für den Verkauf von Plastikartikeln erreichen will, die die ungesunden Weichmacher enthalten.
...
Sollte die EU bei einer Verschärfung der Chemikaliengesetzgebung nicht mitziehen, will eine Mehrheit im dänischen Parlament nationale Verkaufsverbote erlassen. Auch für gefährliche Dildos.
Bleibt zu wünschen, dass die Menschheit recht schnell von den giftigen Spielzeugen befreit wird.
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